Schizophrenie um eine Pflanze – Opium und Drogenpolitik in Indien

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Das Verbot des Anbaus von Opium bringt indische Bauern in Existenznot. In drei Bundesstaaten jedoch pflanzen zehntausende Landwirte mit Erlaubnis der Regierung und der Vereinten Nationen Mohn für die Pharmaindustrie an. Eine Reise zum indischen Himalaya und den Absurditäten internationaler Drogenpolitik.

In der Ferne ragen die Gipfel des Himalaya empor. Auf 2.000 Metern Höhe braust O.P. Sharma mit seinem Suzuki Kleinwagen an Flüssen entlang und Serpentinen hinauf. Hinten im Wagen sitzt ein mit einer Pistole bewaffneter Polizist; seit zwei Jahren begleitet er Om Prakash Sharma – kurz “Oh Pee” – bei seinen Fahrten durch die Berge des Bundesstaates Himachal Pradesh. Sharma war bis vor einiger Zeit noch Drogenfahnder beim indischen Narcotics Control Bureau (NCB). Wenn er jetzt Dörfer besucht, um dort die Bäuerinnen und Bauern über Alternativen zum Anbau von Cannabis und Opium zu beraten, kann es zu Problemen kommen. Immerhin mischt sich Sharma hier in ein lukratives Geschäft ein; bei den Drogenhändlern ist er daher nicht gern gesehen.

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Entwicklungspolitisches Magazin: Schwerpunkt Drogen

Das entwicklungspolitische Magazin “welt-sichten” widmete Ende 2008 eine Ausgabe dem Schwerpunkt “Drogen” mit dem Untertitel: “Profit, Gewalt und Politik”. Die Artikel sind online abrufbar, siehe unten.

welt-sichten stammt dem Kreis der kirchlichen Entwicklungsorganisationen in Deutschland und versteht sich der Ökumene verpflichtet. Es ist der Nachfolger von “Der Überblick”  und “Eins” (vormals “Zeitschrift Entwicklungspolitik und davor “epd-Entwicklungspolitik”). Von diesen eingestellten Publikationen liegen Online-Archive vor.

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Studie: Strafverfolgung und Gewalt

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Unlängst wurde die kanadische Studie “Effect of Drug Law Enforcement on
Drug-Related Violence: Evidence from a Scientific Review” veröffentlicht. Die Studie liegt als pdf zum Download vor (26 Seiten) – erstellt wurde sie vom Urban Health Research Initiative (UHRI) in British-Columbia. Sie erscheint vor dem Hintergrund eines geplanten Gesetzes der konservativen Regierung (Bill C-15), das eine Mindesthaftstrafe für Verstöße gegen die Drogengesetzgebung vorsieht.

Für die Studie wurde intensiv Recherche betrieben und 306 englischsprachige Drogenstudien aus den letzten 20 Jahren gefunden; aus diesen wiederum wurden 15 herauskristallisiert, die unmittelbar die Folge von Strafverfolgung auf Gewalt behandeln. Allgemeiner Tenor: Repression führt zu mehr Gewalt.

Dieser Zusammenhang lässt sich gut im oben abgebildeten Diagramm sehen: Deutlich ist der Anstieg der Morde in den Jahren der Alkoholprohibition in den USA zu erkennen – er bewegt sich parallel zu den Pro-Kopf Ausgaben für Strafverfolgung. Ebenso steigen nach dem Ausrufen des “War on Drugs” durch Nixon Anfang der 70er Jahre sowohl die Ausgaben als auch die Morde.

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Reader zu Harm Reduction in der EU

readerAus Portugal kam diesen April eine Veröffentlichung auf Englisch, die dankenswerter Weise online frei verfügbar ist: “Harm reduction: evidence, impacts and challenges“. Schlappe 470 Seiten weißt diese Aufsatzsammlung auf. Sie gibt in 16 Kapiteln einen Überblick über die Entwicklung des Schadensminderungskonzepts in der EU in den vergangenen 20 Jahren.

Herausgeber des Werks ist “The European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA)” in Lissabon – eine Einrichtung der EU. Es veröffentlicht diverse Reihen, neben Monographien wie zur Schadensminderung werden etwa auch methodische Handbücher (z.B. zur Erforschung von Drogenpreisen) herausgegeben.


Neues und Altes aus dem Drogenstaat Afghanistan

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Alfred McCoy: Drogenstaat Afghanistan

Alfred McCoy ist ein Haushaltsname in Sachen Opium. Der US-Professor schrieb 1972 das Buch “The Politics of Heroin in Southeast Asia”; eine überarbeite Neuauflage erschien 2003 auf Deutsch:”Die CIA und das Heroin: Weltpolitik durch Drogenhandel” (derzeit nicht mehr neu im Buchhandel zu erwerben).

Nun hat McCoy einen langenen Text mit dem Titel “Can Anyone Pacify the World’s Number One Narco-State?” veröffentlicht. Dort spricht er einige interessante Aspekte an und zeigt auf, dass die Opiumlandwirtschaft sich wie ein gordischer Knoten um das Land geschlungen hat. Dazu geführt haben demnach u.a.:

- der jahrzehntelange Bürgerkrieg, der die landwirtschaftliche Infrastruktur (Bewässerungssysteme) zerstört und die modernen Waffen, die einen große Teile der Herden töteten

- Da Opiumanbau neumal arbeitsintensiver sei, als Weizenanbau, bot Opium eine sofortige saisonale Arbeitsmöglichkeit für über eine Million Afghanen. In dem zerstörten Land, mit zahllosen Binnenflüchtlingen, seien nur die Opiumhändler in der Lage gewesen, schnell Kapital aufzutreiben und Kredite zu vergeben.

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Irreführende Erfolgskriterien von UNODC

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Oben stehendes Schaubild stammt aus der Studie “Afghanistans Drogenkarriere – Von der Kriegs- zur Drogenökonomie” (die Grafik stammt ursprünglich von UNODC). Die online verfügbare Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zeichnet auf 35 Seiten die Geschichte des Opiumanbaus in Afghanistan seit 1979 nach. Eine Transformation zu einer Drogenökonomie, so die Autorin Citha D. Maass, sei seit 2002 zu beobachten. Sprich eine Volkswirtschaft, die von einem Wirtschaftszweig dominiert wird, der unter herrschenden internationalen Gesetzen als illegal gilt.

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Burma: Bäuerinnen über den von der Junta geduldeten Opiumanbau

poisonedDass die Aussagen des Vereinten Nationen hinsichtlich des “Erfolgs” in Sachen Drogenpolitik trotz widersprüchlichen Zahlen immer auf Erfolg gebürstet sind, ist ärgerlich. Aber angesichts der Abwesenheit einer Kultur von Zweifel und Selbstkritik innerhalb von politischen Organisationen kaum verwunderlich.

Ein Report, für den 30 burmesische Bäuerinnen Informationen zugeliefert haben, ist nun von der Women’s League of Burma und der “Palaung’s Women’s Organization” veröffentlicht worden. “Poisoned Hills” (3,5 MB, pdf, Engl. ), so der Titel des Werks, schildert die Umstände in den Gemeinden Namkham und Mantong in Nord-Burma. Dort hat sich unter Kontrolle der Militärregierung der Anbau von Opium in den vergangen drei Jahren verfünfacht. Das UN Office for Drugs and Crime, UNODC, dass mit der Militärjunta kooperiert, kommt in seinem Drogenbericht gerade einmal  auf  eine Verdopplung der Anbaufläche (siehe UNODC: Opium cultivation in South-East Asia 2009, pdf, 7,5MB).

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Zweifel an UN-Bericht zur afghanischen Drogenökonomie

drugmarketDer hier im Blog bereits erwähnte Bericht “Addiction, Crime, and Insurgency: The Transnational Threat of Afghan Opium” wurde vor einiger Zeit auf der Website “Foreign Policy in Focus” ausführlich kritisiert: Dass der Handel mit Opium und Heroin, der laut dem Bericht vor allem den Taliban zu Gute käme, sei eine unvöllständige Darstellung. Zwar werde der Bericht so interpretiert, dass vor allem der Drogenanbau- und handel zu stoppen sei, um die Taliban zu bekämpfen. Doch räume der Bericht genau das Gegenteil ein, so Julien Mercill: Ein Reduktion der Drogenökonomie würde nur “minimale Auswirkungen auf die strategische Bedrohung durch die Aufständischen” haben: die Taliban würden “bedeutende finanzielle Unterstützung von Gebern aus der ganzen Welt” erhalten – Beiträge die die Drogengelder völlig in den Schatten stellen würden.

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Blaupause für die Nachkriegszeit

blueprintAuf gut 200 Seiten breitet die britische NGO Transform ein Szenario für die Zeit nach dem Krieg gegen die Drogen aus: Blueprint for Regulation (pdf – auf Englisch | Creative Commons Lizenz).

Nach einer Bestandsaufnahme der herrschenden Drogenpolitik werden fünf Szenarien der Regulierung von den derzeit illegalisierten Drogen beschrieben. Weiter wird detailiert auf die Regulierungsaspekte eingegangen: Wie wird die Produktion, der Handel etc. organisiert und kontrolliert?

Zentral bei einem solchem Legalisierungsvorhaben sind die herrschenden Gesetze: Transform geht auf die internationale und lokalen Gesetzgebungen ein und schildert ein mögliches Vorgehen, diese an einen Regulierungsprozess anzupassen.

Schließlich wird noch auf bestehende Beispiele der Regulierung von Drogen eingegangen: Alkohol, Tabak, Cannabis, Aufputschmittel, Psychopharmaka, Depressiva.

Transform hat auch einige Statements zum Thema auf Video gesammelt.

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Tabubruch: Britischer Regierungsberater gefeuert

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Der Vorsitzende des britischen Advisory Council on the Misuse of Drugs (ADMD), David Nutt, wurde vergangen Freitag vom britischen Innenminister Alan Johnson entlassen. Letzterer argumentiert: “Er wurde gebeten zu gehen, weil er nicht gleichzeitig Regierungsberater und Aktivist gegen Regierungspolitik sein kann”.

Im Zentrum der Auseinandersetzung ist die Neubewertung von Cannabis durch die britische Regierung. Entgegen dem Rat von ACMD wurde sie dieses Jahr aus Kategorie C wieder auf Kategorie B hinaufgestuft und damit mit höheren Strafen für Nutzer und Händler belegt.

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