Reaktionen auf UN-Weltdrogenbericht 2009

Unlängst wurde der UN-Weltdrogenbericht veröffentlicht – zu seiner Präsentation wurde alles aufgefahren, was das Web 2.0 zu bieten hat.

Einen gute Zusammenfassung des Reports liefert ein Guardian-Artikel von Duncan Campbell.

Wiedermal wird Stagnation als Erfolg verkauft; siehe das Video, welches den UNODC Direktor, den “World Drug Czar” Antonio Maria Costa zeigt. Er ist ein recht störrischer arroganter Herr; insofern richtig für einen Job, der eine unsinnige Ideologie vertreten muss – Jacob Sollum lässt sich hier über dieses Phänomen aus. (Als schönes Beispiel für Costas Persönlichkeit mag dessen Bericht über einen Besuch in Amsterdam im Jahr 2008 dienen – der verschwand ganz schnell wieder von seiner Website, sickerte aber durch.)

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Kokain-Studie der WHO durchgesickert

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Nach 14 Jahren ist eine nahezu sagenumwobene Koka/Kokain-Studie durchgesickert (Wikileaks). Die Weltgesundheitsorganisation WHO und UNICRI (United Nations Interregional Institute of Crime Investigation) hatten sie in Auftrag gegeben. Damals, 1995, waren nur einige Ergebnisse der 75-seitigen Studie (pdf) in einer Presseinformation bekannt geworden; die Veröffentlichtung der Gesamtstudie wurde daraufhin verhindert.

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“Nice people take drugs”-Kampagne (Update)

Buswerbung als “zivilgesellschaftliches” Kampagnen-Tool scheint zumindest in Großbritannien Konjunktur zu haben – nach atheistischer Buswerbung, die auch hierzulande Nachahmer fand, ist jetzt “Nice people take drugs” auf Doppeldeckern zu lesen. Dahinter steckt die britische NGO Release. Eine ihrer Mitarbeiterinnen erklärte in einem Guardian-Blog, dass es darum ginge, als erstes das Tabu über Drogen zu brechen – deswegen schicke man Busse mit besagter Botschaft durch London, um eine faire, wahrhaftige Debatte über Drogengebrauch – und politik anzuschieben. (via Transform-Blog)

Update 11.06.09: Die Kampagne wurde laut Guardian seitens der beauftragen Werbefirma gestoppt; eine der Begründungen: Hätte der Slogan “Auch nette Leute nehmen Drogen” oder ähnlich gelautet, hätte es weniger Anlass zur Beschwerde gegeben.


“Künstlich-synthetisches” Heroin

heroinformelAls ein “Wunder für die Junkies” bezeichnete ein Kommentator die beschlossene Änderungen des Betäubungsmittelgesetzes und anderer Verordnungen. Seit 2002 war in mehreren Städten ein Modellprojekt gelaufen. Ende Mai 2009 hat der Bundestag die (Gesetzentwurf als pdf) mit Stimmen von SPD, Grüne und Linke ein Gesetz beschlossen, dass die Vergabe von Diamporphin (=Heroin) an mindestens fünf Jahre lang Schwerstabhängige ermöglicht. Die müssen mindestens 23. Jahre alt sein und zwei nachweisbare Entzugsversuche hinter sich haben.

Die unsinnige Wortschöfpungen “künstliches” oder “synthetisches” Heroin, die im Zuge der Entscheidung durch manche Medien geisterten, wird im Stillstand-Blog treffend erklärt:

“…um die Stammtische und die leichtgläubigen Berichterstatter zu beeindrucken, damit die einen Unterschied zu machen lernen zwischen dem bösen Straßenheroin und dem guten Drogentherapie-Heroin vom zertifizierten Apotheker.”

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Der Fall der “Befreiungstiger” (LTTE) und der Drogenweltmarkt

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Die offenbar völlige militärische Niederlage der tamillischen “Befreiungstiger” hat Folgen für den Drogenweltmarkt und den Drogenhandels in Indien. Dies war unlängst in der Times of India zu lesen: Die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) waren demnach seit 1983 als Großhändler in Sachen Cannabis, Opium und Heroin tätig, um ihren Kampf zu finanzieren.  Sie sollen den Vertrieb via der indischen Küste über einen ihrer Häfen im Norden von Sri Lanka (und vice versa) organisiert haben, zum Teil mit einer eigenen Schiffsflotte (die 2008 zerstört worden sein soll). Zielländer -und regionen waren bspw. Australien, aber auch Europa und Kanada (zu letzterem siehe hier ein Beitrag auf der Website des in dieser Frage sicherlich nicht neutralen Verteidiungsminsteriums von Sri Lanka).

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