Studie: Strafverfolgung und Gewalt

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Unlängst wurde die kanadische Studie “Effect of Drug Law Enforcement on
Drug-Related Violence: Evidence from a Scientific Review” veröffentlicht. Die Studie liegt als pdf zum Download vor (26 Seiten) – erstellt wurde sie vom Urban Health Research Initiative (UHRI) in British-Columbia. Sie erscheint vor dem Hintergrund eines geplanten Gesetzes der konservativen Regierung (Bill C-15), das eine Mindesthaftstrafe für Verstöße gegen die Drogengesetzgebung vorsieht.

Für die Studie wurde intensiv Recherche betrieben und 306 englischsprachige Drogenstudien aus den letzten 20 Jahren gefunden; aus diesen wiederum wurden 15 herauskristallisiert, die unmittelbar die Folge von Strafverfolgung auf Gewalt behandeln. Allgemeiner Tenor: Repression führt zu mehr Gewalt.

Dieser Zusammenhang lässt sich gut im oben abgebildeten Diagramm sehen: Deutlich ist der Anstieg der Morde in den Jahren der Alkoholprohibition in den USA zu erkennen – er bewegt sich parallel zu den Pro-Kopf Ausgaben für Strafverfolgung. Ebenso steigen nach dem Ausrufen des “War on Drugs” durch Nixon Anfang der 70er Jahre sowohl die Ausgaben als auch die Morde.

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Reader zu Harm Reduction in der EU

readerAus Portugal kam diesen April eine Veröffentlichung auf Englisch, die dankenswerter Weise online frei verfügbar ist: “Harm reduction: evidence, impacts and challenges“. Schlappe 470 Seiten weißt diese Aufsatzsammlung auf. Sie gibt in 16 Kapiteln einen Überblick über die Entwicklung des Schadensminderungskonzepts in der EU in den vergangenen 20 Jahren.

Herausgeber des Werks ist “The European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA)” in Lissabon – eine Einrichtung der EU. Es veröffentlicht diverse Reihen, neben Monographien wie zur Schadensminderung werden etwa auch methodische Handbücher (z.B. zur Erforschung von Drogenpreisen) herausgegeben.


Neues und Altes aus dem Drogenstaat Afghanistan

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Alfred McCoy: Drogenstaat Afghanistan

Alfred McCoy ist ein Haushaltsname in Sachen Opium. Der US-Professor schrieb 1972 das Buch “The Politics of Heroin in Southeast Asia”; eine überarbeite Neuauflage erschien 2003 auf Deutsch:”Die CIA und das Heroin: Weltpolitik durch Drogenhandel” (derzeit nicht mehr neu im Buchhandel zu erwerben).

Nun hat McCoy einen langenen Text mit dem Titel “Can Anyone Pacify the World’s Number One Narco-State?” veröffentlicht. Dort spricht er einige interessante Aspekte an und zeigt auf, dass die Opiumlandwirtschaft sich wie ein gordischer Knoten um das Land geschlungen hat. Dazu geführt haben demnach u.a.:

- der jahrzehntelange Bürgerkrieg, der die landwirtschaftliche Infrastruktur (Bewässerungssysteme) zerstört und die modernen Waffen, die einen große Teile der Herden töteten

- Da Opiumanbau neumal arbeitsintensiver sei, als Weizenanbau, bot Opium eine sofortige saisonale Arbeitsmöglichkeit für über eine Million Afghanen. In dem zerstörten Land, mit zahllosen Binnenflüchtlingen, seien nur die Opiumhändler in der Lage gewesen, schnell Kapital aufzutreiben und Kredite zu vergeben.

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