Neues und Altes aus dem Drogenstaat Afghanistan

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Alfred McCoy: Drogenstaat Afghanistan

Alfred McCoy ist ein Haushaltsname in Sachen Opium. Der US-Professor schrieb 1972 das Buch “The Politics of Heroin in Southeast Asia”; eine überarbeite Neuauflage erschien 2003 auf Deutsch:”Die CIA und das Heroin: Weltpolitik durch Drogenhandel” (derzeit nicht mehr neu im Buchhandel zu erwerben).

Nun hat McCoy einen langenen Text mit dem Titel “Can Anyone Pacify the World’s Number One Narco-State?” veröffentlicht. Dort spricht er einige interessante Aspekte an und zeigt auf, dass die Opiumlandwirtschaft sich wie ein gordischer Knoten um das Land geschlungen hat. Dazu geführt haben demnach u.a.:

- der jahrzehntelange Bürgerkrieg, der die landwirtschaftliche Infrastruktur (Bewässerungssysteme) zerstört und die modernen Waffen, die einen große Teile der Herden töteten

- Da Opiumanbau neumal arbeitsintensiver sei, als Weizenanbau, bot Opium eine sofortige saisonale Arbeitsmöglichkeit für über eine Million Afghanen. In dem zerstörten Land, mit zahllosen Binnenflüchtlingen, seien nur die Opiumhändler in der Lage gewesen, schnell Kapital aufzutreiben und Kredite zu vergeben.

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Irreführende Erfolgskriterien von UNODC

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Oben stehendes Schaubild stammt aus der Studie “Afghanistans Drogenkarriere – Von der Kriegs- zur Drogenökonomie” (die Grafik stammt ursprünglich von UNODC). Die online verfügbare Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zeichnet auf 35 Seiten die Geschichte des Opiumanbaus in Afghanistan seit 1979 nach. Eine Transformation zu einer Drogenökonomie, so die Autorin Citha D. Maass, sei seit 2002 zu beobachten. Sprich eine Volkswirtschaft, die von einem Wirtschaftszweig dominiert wird, der unter herrschenden internationalen Gesetzen als illegal gilt.

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Zweifel an UN-Bericht zur afghanischen Drogenökonomie

drugmarketDer hier im Blog bereits erwähnte Bericht “Addiction, Crime, and Insurgency: The Transnational Threat of Afghan Opium” wurde vor einiger Zeit auf der Website “Foreign Policy in Focus” ausführlich kritisiert: Dass der Handel mit Opium und Heroin, der laut dem Bericht vor allem den Taliban zu Gute käme, sei eine unvöllständige Darstellung. Zwar werde der Bericht so interpretiert, dass vor allem der Drogenanbau- und handel zu stoppen sei, um die Taliban zu bekämpfen. Doch räume der Bericht genau das Gegenteil ein, so Julien Mercill: Ein Reduktion der Drogenökonomie würde nur “minimale Auswirkungen auf die strategische Bedrohung durch die Aufständischen” haben: die Taliban würden “bedeutende finanzielle Unterstützung von Gebern aus der ganzen Welt” erhalten – Beiträge die die Drogengelder völlig in den Schatten stellen würden.

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UN-Report: Drogenökonomie und Taliban

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Vor einigen Tagen hat das UN Büro für Drogen und Kriminalität UNODC ein Bericht zu Afghanistan veröffentlicht: “Addiction, Crime and Insurgency: The Transnational Threat of Afghan Opium“. Der detailierte 150-seite Bericht widmet sich etwa dem Problem der Abhängigkeit entlang der Handelsrouten, der Finanzierung der Aufständischen durch die Drogenökonomie, die Flüchtlingslager und nicht zuletzt Korruption. Interessant ist, dass sich kleinteilig Regionen gewidmet wird und auf die Geschichte der einzelnen Stammesgesellschaften eingegangen wird.

Neben einer recht ausführlich geratenen Zusammenfassung teilt sich der Report in zwei Teile: einmal Handel und andererseits dem Zusammenhang zwischen der Drogenökonomie und dem Krieg im Lande. Illustriert wird das Werk durch etliche Karten und Diagramme.

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Opium Survey: Leichter Rückgang des Anbaus in Afghanistan

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Heute veröffentlichte das UN Büro für Drogen und Kriminalität (UNODC) den jährlichen “Opium Survey” für Afghanistan – hier die Zusammenfassung auf Englisch. Um 10 Prozent sei die geerntete Menge zurückgegangen: Von 7.700 Tonnen im vergangenen Jahr auf etwa 6.600 Tonnen Rohopium. Die Anbaufläche habe sich sogar um über 20 Prozent verringert – von 157.000 Hektar auf 122.000. Dem gegenüber standen offenbar gute klimatische Bedingungen, die eine Steigerung des Ertrags der Mohnpflanzen ermöglichte.

Damit geht der Opiumanbau – zumindest nach diesen offiziellen Zahlen – in Afghanistan im zweiten Jahr zurück. Allerdings befindet er sich immer noch auf einem hohen Niveau; es wurden immer noch rund 50.000 Tonnen mehr geerntet als 2002, dem Jahr nach der Invasion der USA und NATO.

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Afghanistan: 50 Drogenhändler auf “capture or kill”-Liste

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50 führende Drogenhändler in Afghanistan stehen auf einer”capture or kill”-Liste des US-Militärs: Sie sollen festgenommen oder ggf. getötet werden. Dieses Vorgehen sei unter den “Rules of Engagment” legal, heisst es seitens der Streitkräfte. Von der Existenz einer “joint integrated prioritised target list” hatte The Times unlängst aus einem nicht-veröffentlichten Bericht an den US-Senat erfahren (der findet sich hier als 30-seitiges pdf: Afghanistan’s Narco War: Breaking the Link between Drug Traffickers and Insurgents).

Steve Rolles von der britischen NGO Transform wundert sich über die Berichterstattung zu dieses Geschichte. Die US-Straflosigkeit sei so verinnerlicht worden, dass niemand nach der Rechtmäßigkeit außergerichtlichen Tötens frage -  laut internationalen Gesetzen sei es illegal und wohl auch nach US-Gesetzen, so Rolles in einem ausführlichen Bericht auf stopthedrugwar.org.

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Strategiewechsel in Afghanistan

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Richard Holbrooke, der Sondergesandte von US-Präsdident Obama für Afghanistan, hat Ende Juni auf einer Afganistankonferenz einen Strategiewechsel verkündet: Eine weitere Vernichtung von Opiumfeldern würde es nicht geben, sagte er gegenüber Reuters: “So I need to stress this: the poppy farmer is not our enemy. The Taliban are. And to destroy the crops is not an effective policy and the U.S. has wasted hundreds and hundreds of millions of dollars on this program, and that is going to end.” Vielmehr, so Holbrooke, soll der Handel mit Vorläuferstoffen bekämpft werden und die Drogen-Großhändler. Mehr »


Internationale Drogenkontrolle und afghanisches Opium

Vom Rauschmittel zum Medikament – 08.05.2007

In Afghanistan wird auch dieses Jahr eine Rekordopiumernte erwartet. Aus dem Opium wird Heroin vorwiegend für den europäischen Rauschgiftmarkt hergestellt. International mehren sich die Stimmen, die fordern, den afghanischen Schlafmohn für die Herstellung von Medikamenten wie Morphium und Codein zu nutzen. Doch die UN-Drogenkontrollbehörden und die US-Regierung halten nichts von der Idee.

Link zum Artikel bei Telepolis