Schizophrenie um eine Pflanze – Opium und Drogenpolitik in Indien

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Das Verbot des Anbaus von Opium bringt indische Bauern in Existenznot. In drei Bundesstaaten jedoch pflanzen zehntausende Landwirte mit Erlaubnis der Regierung und der Vereinten Nationen Mohn für die Pharmaindustrie an. Eine Reise zum indischen Himalaya und den Absurditäten internationaler Drogenpolitik.

In der Ferne ragen die Gipfel des Himalaya empor. Auf 2.000 Metern Höhe braust O.P. Sharma mit seinem Suzuki Kleinwagen an Flüssen entlang und Serpentinen hinauf. Hinten im Wagen sitzt ein mit einer Pistole bewaffneter Polizist; seit zwei Jahren begleitet er Om Prakash Sharma – kurz “Oh Pee” – bei seinen Fahrten durch die Berge des Bundesstaates Himachal Pradesh. Sharma war bis vor einiger Zeit noch Drogenfahnder beim indischen Narcotics Control Bureau (NCB). Wenn er jetzt Dörfer besucht, um dort die Bäuerinnen und Bauern über Alternativen zum Anbau von Cannabis und Opium zu beraten, kann es zu Problemen kommen. Immerhin mischt sich Sharma hier in ein lukratives Geschäft ein; bei den Drogenhändlern ist er daher nicht gern gesehen.

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Neues und Altes aus dem Drogenstaat Afghanistan

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Alfred McCoy: Drogenstaat Afghanistan

Alfred McCoy ist ein Haushaltsname in Sachen Opium. Der US-Professor schrieb 1972 das Buch “The Politics of Heroin in Southeast Asia”; eine überarbeite Neuauflage erschien 2003 auf Deutsch:”Die CIA und das Heroin: Weltpolitik durch Drogenhandel” (derzeit nicht mehr neu im Buchhandel zu erwerben).

Nun hat McCoy einen langenen Text mit dem Titel “Can Anyone Pacify the World’s Number One Narco-State?” veröffentlicht. Dort spricht er einige interessante Aspekte an und zeigt auf, dass die Opiumlandwirtschaft sich wie ein gordischer Knoten um das Land geschlungen hat. Dazu geführt haben demnach u.a.:

- der jahrzehntelange Bürgerkrieg, der die landwirtschaftliche Infrastruktur (Bewässerungssysteme) zerstört und die modernen Waffen, die einen große Teile der Herden töteten

- Da Opiumanbau neumal arbeitsintensiver sei, als Weizenanbau, bot Opium eine sofortige saisonale Arbeitsmöglichkeit für über eine Million Afghanen. In dem zerstörten Land, mit zahllosen Binnenflüchtlingen, seien nur die Opiumhändler in der Lage gewesen, schnell Kapital aufzutreiben und Kredite zu vergeben.

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Irreführende Erfolgskriterien von UNODC

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Oben stehendes Schaubild stammt aus der Studie “Afghanistans Drogenkarriere – Von der Kriegs- zur Drogenökonomie” (die Grafik stammt ursprünglich von UNODC). Die online verfügbare Studie der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) zeichnet auf 35 Seiten die Geschichte des Opiumanbaus in Afghanistan seit 1979 nach. Eine Transformation zu einer Drogenökonomie, so die Autorin Citha D. Maass, sei seit 2002 zu beobachten. Sprich eine Volkswirtschaft, die von einem Wirtschaftszweig dominiert wird, der unter herrschenden internationalen Gesetzen als illegal gilt.

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Burma: Bäuerinnen über den von der Junta geduldeten Opiumanbau

poisonedDass die Aussagen des Vereinten Nationen hinsichtlich des “Erfolgs” in Sachen Drogenpolitik trotz widersprüchlichen Zahlen immer auf Erfolg gebürstet sind, ist ärgerlich. Aber angesichts der Abwesenheit einer Kultur von Zweifel und Selbstkritik innerhalb von politischen Organisationen kaum verwunderlich.

Ein Report, für den 30 burmesische Bäuerinnen Informationen zugeliefert haben, ist nun von der Women’s League of Burma und der “Palaung’s Women’s Organization” veröffentlicht worden. “Poisoned Hills” (3,5 MB, pdf, Engl. ), so der Titel des Werks, schildert die Umstände in den Gemeinden Namkham und Mantong in Nord-Burma. Dort hat sich unter Kontrolle der Militärregierung der Anbau von Opium in den vergangen drei Jahren verfünfacht. Das UN Office for Drugs and Crime, UNODC, dass mit der Militärjunta kooperiert, kommt in seinem Drogenbericht gerade einmal  auf  eine Verdopplung der Anbaufläche (siehe UNODC: Opium cultivation in South-East Asia 2009, pdf, 7,5MB).

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UN-Report: Drogenökonomie und Taliban

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Vor einigen Tagen hat das UN Büro für Drogen und Kriminalität UNODC ein Bericht zu Afghanistan veröffentlicht: “Addiction, Crime and Insurgency: The Transnational Threat of Afghan Opium“. Der detailierte 150-seite Bericht widmet sich etwa dem Problem der Abhängigkeit entlang der Handelsrouten, der Finanzierung der Aufständischen durch die Drogenökonomie, die Flüchtlingslager und nicht zuletzt Korruption. Interessant ist, dass sich kleinteilig Regionen gewidmet wird und auf die Geschichte der einzelnen Stammesgesellschaften eingegangen wird.

Neben einer recht ausführlich geratenen Zusammenfassung teilt sich der Report in zwei Teile: einmal Handel und andererseits dem Zusammenhang zwischen der Drogenökonomie und dem Krieg im Lande. Illustriert wird das Werk durch etliche Karten und Diagramme.

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Strategiewechsel in Afghanistan

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Richard Holbrooke, der Sondergesandte von US-Präsdident Obama für Afghanistan, hat Ende Juni auf einer Afganistankonferenz einen Strategiewechsel verkündet: Eine weitere Vernichtung von Opiumfeldern würde es nicht geben, sagte er gegenüber Reuters: “So I need to stress this: the poppy farmer is not our enemy. The Taliban are. And to destroy the crops is not an effective policy and the U.S. has wasted hundreds and hundreds of millions of dollars on this program, and that is going to end.” Vielmehr, so Holbrooke, soll der Handel mit Vorläuferstoffen bekämpft werden und die Drogen-Großhändler. Mehr »


Internationale Drogenkontrolle und afghanisches Opium

Vom Rauschmittel zum Medikament – 08.05.2007

In Afghanistan wird auch dieses Jahr eine Rekordopiumernte erwartet. Aus dem Opium wird Heroin vorwiegend für den europäischen Rauschgiftmarkt hergestellt. International mehren sich die Stimmen, die fordern, den afghanischen Schlafmohn für die Herstellung von Medikamenten wie Morphium und Codein zu nutzen. Doch die UN-Drogenkontrollbehörden und die US-Regierung halten nichts von der Idee.

Link zum Artikel bei Telepolis


Opiumanbau als Option für kanadische Bauern

Bis zu 100 Millionen kandische Dollar Einkommen könnten Farmer im Norden Amerikas durch Opiumanbau für medizinische Zwecker erwirtschaften. Meint zumindest der kanadische Biologe Peter Fachini (Foto) an der Universität von Calgary. Kanada sei weltweit der größte Importeur Nr. 1 von Kodein, stellt der Forscher in einem Zeitungsartikel fest. Ähnlich den Farmern in Australien können deren kanadischen Kollegen im Westen des Landes eine lukrative Einkommensquelle aus dem Anbau von Opium für die Herstellung von Schmerzmitteln generieren und gleichzeitig den Eigenbedarf des Landes decken.

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Buch: Trouble in the Triangle

Unruhe im Goldenen Dreieck – Myanmar und das Opiumproblem

Militärjunta, aufständische Minderheiten und Opium – weiterhin ist die Lage im südostasiatischen Myanmar kompliziert. Mit Fokus auf die Drogenpflanze versucht ein neues Buch, die Fäden etwas zu entwirren.

Alle Jahre wieder kommt scheinbar frohe Kunde aus Myanmar: Der Opiumanbau im früheren Burma sei zurückgegangen, meldet das Drogenkontrollprogramm der Vereinten Nationen (UNODC). Mittels umfangreicher Stichproben verschafft sich UNODC seit 1996 einen Überblick über den Opiumanbau im Shan-Staat im Osten des Landes. Die Ergebnisse werden jährlich in einem »Opium Survey« veröffentlicht.

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Bauernopfer im Goldenen Dreieck

Die Anti-Drogen-Programme der UN führen in Burma zu sozialer Not

Eigentlich sollen so genannte Alternative Entwicklungsprogramme der Vereinten Nationen (UN) in Südostasien die Opiumproduktion durch legale Agrarprodukte ersetzen helfen. Im Shanstaat in Burma, einem der wichtigsten Anbaugebiete für Schlafmohn, entfaltet sich durch den Opiumbann jedoch zunehmend eine humanitäre Krise. Die UN kann kaum mehr die Folgen ihrer eigenen Anti-Drogen-Politik abfedern.

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